Ein „Nachmittag-Frühabend-Nacht-Morgen-kurz vor Mittag-Tag“

Das Wochenende.

Es ist heiß, man ist müde und doch wacht man einfach auf. Die Sonne liegt über der Stadt, wie eine Tagesdecke und darunter ist nicht ein Sofa, oder Bett, nein, darunter sitzen, stehen, lieben, hassen und leben wir. „Puh“, ohne Wasser nicht auszuhalten, ohne Kühlung nicht zu ertragen und ohne Wind einfach unerträglich.

Man beschwert sich immer über das Wetter, das kann der Mensch gut. Er kann vieles sehr gut, Ölkatastrophen wie ein Zauberer aus seinem Hut, entstehen lassen, Wein in Flaschen füllen, „Tip-tap-taturen“ mit Computern über Blu-touth verbinden und immer wieder über das Wetter reden, sich beschweren und den Mann, der da oben hockt verfluchen. Na ja, das ist ok, manche Menschen haben halt nicht so viel, dann sollte man ihnen zumindest diesen Spaß gönnen.

Zusammen gerottet in einem 30qm Wohnzimmer mit zig fremden Mensch. Ab und an ein vertrautes Gesicht und dann doch wieder so viel fremde Gesichter und unbekannte Stimmen. Es war toll. Wir haben Deutschland geschaut, haben Bier getrunken, haben geklatscht, eine nette Dame hinter mir schrie während des gesamten Spiels ständig „Weg da“, sobald die Argentinier in die nähe des deutschen Tores kamen. Alle waren glücklich und das es auch noch einen Torregen gab, potenzierte die Stimmung noch zusätzlich. Ab der Halbzeit gab es auch noch Bowle, sehr lecker gewesen. Es wurde geraucht in der Pause und pünktlich zum anpfiff saßen wieder alle, gespannt wie es wohl ausgehen würde, als dann das zweite und dritte Tor fielen, war Ausnahmezustand in der Wohnung von S. und T., alle schrieen, brüllten, klatschten, man konnte sogar zarte Ansätze von Chorgesängen vernehmen, aber vielleicht habe ich mir das auch nur alles eingebildet in der ganzen Euphorie dieses schönen Nachmittags.

Als das Spiel vorbei war, gab es die Auswertung, „Überragend“, “Phänomenal“, „Weltmeisterreif“, „Wer soll uns jetzt noch schlagen“, „Ich hab’s ja gleich gesagt!“, „Lecker, Lecker“…und und und , et cetera perge perge! Alle waren glücklich und zufrieden, in der Luft lag ein Gefühl von Macht und Tatendrang, und wir hatten ein wenig das Gefühl, wir könnten alles schaffen.

Sofort wurden Witze gemacht, man könne ja vom Balkon einen Köpper in das leere Kinder-Planschbecken machen. Der Alkohol nahm Besitz von unseren Seelen, jeder wusste es, doch niemand sprach es aus.

Der Masse wollte raus, sie hatte Hunger. Ab ins „The Bird“, ein Laden, den man eigentlich nicht näher erwähnen sollte, bis auf das die Pommes handgeschnitzt waren und die Burger 11€ gekosten haben, gab es noch Service-Personal, das teilweise nur so spielte, als wäre es (really) aus Amerika, ach ja und zu der Zeit lief bereits das Spiel Spanien gegen Paraguay und natürlich hat das amerikanische Restaurant keinen Fernseher zur Verfügung gestellt. Das wäre nicht amerikanisch, Fußball, also nein!

Nachdem wir fertig waren zog die wilde Menge durstig durch die Straßen des P-Bergs, bis wir fast wieder am Ausgangspunkt ankamen, Danziger Ecke Lychener, eine kleine Italo-Pizzaria. Es gab Bier und Fußball. Das spiel ging 1:0 für Spanien aus, schade, denn die haben wirklich nicht überragend gespielt. Egal.

Danach ging’s kurz heim, duschen, trinken um dann fasst wieder wie vorher zu riechen, nur weil man keine andere Möglichkeit hat, als in eine Tram einzusteigen, in der ca. 100 Menschen zu viel drinstehen, Luft gab’s nicht, zum Glück hat ich noch etwas Wasser dabei, in dem Sauerstoff zum atmen war, sonst wäre ich elendig eingegangen dort in dieser M10.

Ich hielt auch für wenige Sekunden den Gedanken fest, was wäre, wenn das kein Wasser sonder Spiritus wäre, spritz spritz, Feuerzeug und die Situation wäre bereinigt, eine Minute die Türe auf und dann hätte. es wieder Sauerstoff gegeben. Ich verwarf diesen Gedanken aber recht schnell, weil er nicht förderlich war. Beim denken an das ganze Feuer wurde mir ganz heiß.

Vom Späti ging es dann weiter auf den Helmholtz-Platz. Der Wein floss, das Bier perlte, das Lachen war von Weiten zu hören, wieder lag etwas Magie in der Luft. Im Schein der Laternen saßen wir auf der Mauer oder auf dem harten Kiesboden, Musik kam aus Boxen, es war ein kleines Mitternachtsfest, in der Dunkelheit spielten wir Frisbee, und sahen den Anderen Platz-Besetztern beim machen und tun zu.

Die Gruppe wurde langsam kleiner, aber ein Teil blieb weiter, machte das Gleiche, trank, lachte und warf Frisbee und freute sich.

Irgendwann kam der Tag herein geplatzt und mit ihm der Ire mit seiner Gitarre. Ein lustiger Geselle mit dem wir zusammen alte Lieder sangen, die wir kannten. Irgendwann saßen wir einfach nur noch da und plötzlich kam Polizei, von überall her. Wir konnten nur lachen, es waren sieben „Bullen“ oder so, viel zu viele für etwas Ruhestörung.

Der Ire ging und irgendwann kurze Zeit darauf verließen auch wir den Platz und fuhren zur Warschauer. Dort gingen wir zu A. und tranken dort weiter, spielten mit der Katze, mit dem merkwürdigen Namen „Schnipp“ und fielen in den Zustand der Trägheit, alles wurde langsamer. Oben über der Stadt, auf dem Balkon und wieder war es etwas unreal, aber schön.

Als wir immer noch nicht genau wussten, ob jetzt Schluss sein sollte, fassten wir den Entschluss zum Boxi zu gehen, wie spät es zu diesem Zeitpunkt war, „ach, frag Gott“. Wir wollten auf den Flohmarkt, doch dort angekommen, waren nur Mütter mit ihren Kindern zusehen, aber kein Flohmarkt. Nach Fragen, sagte man uns, dass der Flohmarkt am Boxi erst um 11Uhr seine Pforten öffnet. Ein klein wenig enttäuscht setzten wir uns auf die arg verbrannte Wiese und die letzten drei Mitstreiter fielen in einen Schlaf. Ich blieb wach, schaukelte, aber immer mit einem Auge auf die Gruppe, denn es muss immer einer Wach bleiben, so ist es doch immer, „Aufpassen“ dachte ich mir nur.

Gegen viertel 11 verließen wir den Platz, trennten uns und gingen nach Hause.

Ein „Nachmittag-Frühabend-Nacht-Morgen-kurz vor Mittag-Tag“ ging zu Ende.

Und irgendwie war es, als man im Bett lag, so als läge etwas Magie in der Luft.

Gute Nacht!